Achtsamkeit Woche 26 – Das Leiden studieren

Bild von Pexels (www.pixabay.com)

Jeder leidet. Leben ist Leiden. Diese Tatsache kann, wenn wir sie begreifen und fühlen, sehr berührend sein, weil dieses Begreifen verbindend wirkt und das Mitgefühl stärkt. Entscheidend ist wie wir mit dem Leiden umgehen und ob wir überhaupt Zugriff auf unser Leid haben. Oft leiden wir unbewusst und richten das Leid gegen uns und/oder gegen andere – Leid, das nicht gesehen wird, hat eine enorme zerstörerische Kraft. Es bahnt sich seinen Weg und es wird durch das nichtachtsame Ausleben immer größer.

Wenn wir das Leid, unser individuelles Leid, sehen und anerkennen, ohne es zu beurteilen und wenn wir die Realität anerkennen, anstatt uns eine Scheinrealität zu wünschen, besteht die Möglichkeit der Transformation. Wir haben die Chance daran zu wachsen. Das ist meiner Meinung nach ein tief schmerzhafter Prozess, weil er uns zu unseren Gefühlen von Einsamkeit, Verlorensein, Wut, Angst, Trauer führt. Oft erstmalig. Und an diesem Punkt ist es unumgänglich, dass jemand da ist, der uns hält, der uns nimmt wie wir sind. Der nicht auf Empfindungen wie Scham und Schuld noch einen Berg an Scham und Schuld draufpackt. Denn wir Menschen wollen in erster Linie eines: von anderen Menschen angenommen sein. In unserem Sein, besonders in unserer Geschichte, in unserem Schmerz, in unserer Zerissenheit. Das oftmals Schwierige ist aber das Annehmen können, wenn soviel Angst vor Verlust, Enttäuschung und Schmerz vorhanden ist. Wenn wir achtsam sind was unser Leiden betrifft, können wir Verhaltensmuster und Glaubenssätze erkennen, die das Leiden nähren und verstärken. Wir können merken wo wir gegen das Leiden ankämpfen und das ist meiner Meinung nach eine andere Vorgehensweise als etwas dagegen zu unternehmen.

Und wenn ich auch so altklug über das Leid schreibe, weiß ich aus eigener Erfahrung wie schwer sich dieser Prozess anfühlen kann. Ich kenne die Verzweiflung, die Wut, die Angst, den Schmerz…

Ich leide und ich lerne und übe anzunehmen und doch fühlt sich meine Seele und besonders mein Körper manchmal wie aus Stein an – hart und kalt und manchmal wie aufgelöst, wie hineingefallen in einen tiefen Strudel aus Gedanken und Gefühlen. Aber das hat sich durch Achtsamkeit und Musterunterbrechung schon sehr zum Guten gewendet.

Die nächste Übung lautet: „Alberne Gänge“.

Unter der Kategorie Achtsamkeitschallenge findet ihr die vorangegangenen Beiträge.

Die Leseprobe mit allen Übungen gibt es hier

TIPP: Ein Jahresprojekt „Achtsam durch den Tag“ (wie meine Achtsamkeitschallenge) und viele verschiedene Links zum Thema Achtsamkeit findet ihr bei widerstandistzweckmässig

9 Gedanken zu „Achtsamkeit Woche 26 – Das Leiden studieren

  1. Benita Wiese (Pseudonym)

    Liebe Melli,
    danke für diesen bemerkenswerten Beitrag. Ich kann viel daraus mitnehmen. Den Grundgedanken des Buddhismus über das überwinden von Leid habe ich erstmals wirklich verstanden. In anderen Zusammenhängen war mir was du schreibst bewusst. Wir nennen es Trauma. Aber Leid geht viel weiter, ist umfassender und betrifft tatsächlich ALLE. Herzlichen Dank für diese Einsicht, wunderbar klar in Worte gefasst. 🙂
    Einen schönen erholsamen Abend dir ❤
    Alles Liebe
    "Benita"

    Gefällt 1 Person

  2. widerstandistzweckmaessig

    Hallo Melli!

    Besonders berührt hat mich Dein Satz „Wenn wir achtsam sind was unser Leiden betrifft, können wir Verhaltensmuster und Glaubenssätze erkennen, die das Leiden nähren und verstärken.“

    Ich neige dazu, in schwierigen Situation zu viel und vor allem Süßes wie Schokolade zu essen. Das verstärkt aber mein Leiden, denn mein Körper reagiert nicht so gut auf zu viel Zucker, ich werde dadurch so unruhig. Statt mich mit der Schokolade zu beruhigen (was nur im ersten Moment so ist) verstärke ich daher mein Problem.

    Daran arbeite ich gerade wieder einmal sehr intensiv. Danke für den tollen Gedankenanstoß!

    lg
    Maria

    Gefällt 1 Person

    1. Unglaublich leicht

      Hallo Maria! Es freut mich sehr, dass du etwas für dich hilfreiches mitnehmen könntest!! Ja es ist schon etwas fies, dass wir Menschen zu Schmerzvermeidung des Augenblicks tendieren (ich kenne das so gut von mir selbst) Also wünsche ich dir und auch mir, dass wir achtsam sind und so einem Mehr an Leiden entgegenwirken können ❤️. Alles Liebe dir und einen schönen Tag!

      Gefällt 1 Person

Hallo! Danke für deinen Beitrag! 🌟

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