„Wenn Worte meine Sprache wär´n…“

Tim Bendzko

Bild von wilhei (www.pixabay.com)

Nichts bringt mich so zum Nachdenken, Grübeln, ja fast schon zum Verzweifeln wie folgender Gedanke: „War das von mir Gesagte richtig, stimmig, hat es erfreut, verletzt, verärgert, amüsiert. Habe ich mich richtig ausgedrückt? Wurde ich verstanden?“

Die Gründe dafür sind vielseitig und verworren. Ich war soweit ich mich erinnern kann ein ruhiges, zurückhaltendes Kind, wurde aber dazu angehalten mehr in den Mittelpunkt zu rücken z.B. wurde ich oft zu überreden versucht Leuten, die ich nicht so gut kannte oder die mir aus verschiedenen Gründen nicht vertraut waren vorzusingen und/oder auf der Gitarre vorzuspielen. Ich wollte nicht und das wurde negativ bewertet. Dieses „Sei lauter (aber nicht bei mir!), sei fordender (aber nicht bei mir!), sei lustiger und sorgloser, sei nicht nachdenklich… Solange ich mich erinnern kann, dachte ich immer, dass ich erst erfolgreich oder heil bin, wenn ich mich getraue im Fokus zu stehen und mich auch verbal „richtig“ – laut und deutlich ausdrücke.

Auf die Bitte meinerseits: „Was habe ich Falsches gesagt, getan“ kam zu oft ein: „Wenn du das nicht weißt, ist ohnehin alles verloren“ Und ich wusste es NICHT und dieses Nichtwissen brannte Löcher in meine Seele, mein Herz und meinen Verstand.

Dann die stundenlangen Anklagen in meiner Jugend- und jungen Erwachsenenzeit und ich musste bei Tisch sitzen und es reichte nicht es über mich ergehen zu lassen – ich musste dazu Stellung nehmen – lernen mich zu verteidigen und das „Verhör“ war erst beendet, wenn ich in Tränen aufgelöst war. Alle meine Unzulänglichkeiten und Fehler wurden angeklagt, zu meinen Lasten analysiert und ich wurde schuldig gesprochen – immer. Einen Freispruch gab es nicht, auch einen Strafverteidiger gab es in den seltesten Fällen, noch seltener bezog er Partei für mich, meist sah er betreten weg oder was noch schlimmer war: er war auf der Seite des Staatsanwaltes. (Der Einfachheithalber habe ich die männliche Form gewählt)

Dieses Gefühl, dass die Liebe, die ich im Herzen fühle auf dem Weg zum Kopf steckenbleibt. Nicht den Hals, die Augen (die Achtsamkeitsübung zeigt es mir leider mehr als deutlich) und den Geist erreicht. Als wäre da eine Staumauer…

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „„Wenn Worte meine Sprache wär´n…“

  1. aquasdemarco

    Mann kann Staumauer wegsprengen, aber das ist ne brachiale Geschichte und Frage ist ja ob das Gestaute, das Tal überschwemmt.
    Kontrolliertes Ablassen dauert und wenn ein Ventil klemmt, ist es Käse.
    Nix machen geht auch, aber möglicherweise läuft irgendwann es über.
    Staumauer stehen lassen und eine Dränage graben wäre etwas, oder ne fette Arschbombe ins Becken und der aufgestaute Kram spritzt nach allen Seiten.
    Wie auch immer, nen Stau ist Stillstand, so würde ich sagen Stöpsel ziehen.
    Zwinker Zwinker

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