Bewerten

Eine Sache über die ich mir schon seit längerer Zeit Gedanken mache ist das „Bewerten“. In der Achtsamkeitspraxis ist das Beobachten ohne zu bewerten ein, wenn nicht sogar DAS zentrale Thema. Ich denke unter anderem auch aus dem Grund um im Geist offen zu bleiben und um zu lernen Situationen von vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können.

Doch das „Achtsam sein“ schließt eine Bewertung nicht aus. Ich finde beispielsweise die Fähigkeit achtsam zu sein erstrebenswert und glücklichmachend. Schon bin ich mittendrin im Beurteilen. In mein Wertesystem passt die vorhin getroffene Aussage. Viele Dinge fallen auf der Stelle durch den Bewertungsrahmen (Hass, Diskriminierung und Gewalt beispielsweise) Einige verweilen eine Zeit lang darin, andere sind fest verankert.

Wir bewerten täglich, stündlich, minütlich. Müssen wir auch. Viele Situationen verlangen eine Beurteilung (kein Vorurteil). Wie könnten wir sonst eine Entscheidung fällen? Am Beispiel Straßenverkehr: kann ich diese Straße gefahrlos überqueren? Ich wäge ab und gehe oder eben nicht. Wir bringen unseren Kindern bei nach rechts und links zu sehen, bevor sie losgehen. Im Grunde völlig klar, aber ist das nicht wesentlich für viele Lebensbereiche?

Um wieder zur Achtsamkeit zurückzukehren: Seit ich meditieren, bemerke ich erst, dass ich ständig in diesem Bewertungsstrudel stecke – bisher eher unbewusst. Ich gehe zum Beispiel durchs Einkaufszentrum und mein Gehirn macht ratatatatatatatatatatatatatata – diese Gedanken (positive wie negative) waren für mich davor nicht offen da. Ich hatte mich fälschlicherweise in der Weise bewertet, dass ich kaum bewerte. Ehrlich gesagt hat mich das sogar ein wenig erschrocken. Sehe ich mich doch selbst lieber als weltoffen, anstatt als jemand der Menschen und Situationen in Schubladen steckt.

Trotzdem finde ich das Bewerten gut. Wenn ich das tue gebe ich den Dingen einen Wert. Ich kann sie für mich sortieren, einordnen oder verwerfen. Bei Menschen ist es ähnlich. Man sagt doch immer jeder Mensch ist wertvoll. Ja, aber ist es nicht so, dass es Personen gibt, die voller (schöner) Werte sind im Gegensatz zu Massenmördern oder Pädophilen.

Den Wert eines Menschen kann man oft auch nur dann bemessen, wenn man die Möglichkeit bekommt ihn in seiner Echtheit kennen lernen (zu dürfen).

Mein Fazit:

Ja, ich bewerte, beurteile, bemesse und schätze ein, aber ich hoffe und übe mich weiter darin, dass dies möglichst ohne Vorurteile, mit offenem Herzen und klarem Verstand geschieht.

Einen tollen Beitrag zu dem Thema findest übrigens auch hier

9 Gedanken zu „Bewerten

    1. unglaublich leicht

      Find ich auch. https://pixabay.com/de/gebäude-himmel-wolken-123780/ Du machst deine (Achtung Bewertung 😉 tollen) Foto selbst und kennst dich da bestimmt besser aus. Wie stehst du zu solchen Seiten? Ich spendier mittels PayPal meist einen Kaffee, aber entspricht das dem Wert dieser für mich offensichtlich wundervollen Arbeit… Mangels Ausrüstung und Fähigkeit möchte ich aber auf schöne Fotos auf meinem Blog auch nicht verzichten ☺️

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      1. aquasdemarco

        Ich bin Fotograf, aber leben davon ist schwer, jeder hat mittlerweile eine Kamera im mobile.
        Spenden ist bestimmt nett, die Seite kenn ich nicht.
        Aber das Internet hat durch royality free Bilder in i stock, shutterstock vielen Fotografen den Job genommen.
        Aber bald wird es ja auch Taxifahrer, Piloten etc. treffen können. Willkommen in der digitalen Welt der neuen Möglichkeiten.
        Lustig, wir könnten auch Themen zusammenschreiben😉😂👍
        Schau:
        https://aquasdemarco.wordpress.com/2015/07/22/urteile-nicht-sofort/

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  1. Ilaina

    Die Achtsamkeit schliesst das Bewerten an sich nicht aus. Sie hilft uns dessen bewusst zu werden, dass wir bewerten und zu bemerkten wann wir bewerten. Und dann haben wir selbst in der Hand, ob wir das weiterhin zu tun wollen oder es Situationen gibt, in denen wir das (vorab) Bewerten lieber sein lassen wollen.

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  2. Luise Kakadu

    Vieles ist ja nicht per se gut oder schlecht – aber für mich persönlich durchaus.

    Ich glaube, es ist wichtig, dass man in alles hineinfühlt; es bewußt sieht; fühlt; wahrnimmt – und sich hieraus erforscht, was gut für dich persönlich ist; und was nicht.

    Deshalb kann es ja für andere Menschen durchaus noch völlig anders sein und bleiben.
    Oder etwas in dieser Situation gut – und in einer anderen weniger gut sein.

    Was ich grausam finde (auch eine Bewertung; meine persönliche) ist, wenn Menschen nicht mehr aufhören können, auf etwas permanent drauf zu hauen; zu hetzen und zu schüren.
    Oft, ohne jemals wirklich genau hin gesehen zu haben.

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    1. unglaublich leicht

      Absolut ☺️⭐️ DANKE für deine Worte! Ich denke auch der Schlüssel ist wie so oft die Achtsamkeit in dem Sinne, dass man hinsieht und hineinfühlt, auch wenn es weh tut und einem an die Grenzen bringt.
      Ja, das finde ich auch grausam!! Ich rege mich oft über Menschen auf die andere Menschen verurteilen. Einen große Portion Gerechtigkeitsssinn habe ich wahrscheinlich mit auf dem Weg bekommen. Vieles hat sich entwickelt. Ich arbeite aber daran, weil ich spüre, dass das in dem Sinne nichts bringt. Im Grunde ist es doch so: be the change you want to see in the world. Was natürlich Zivilcourage nicht ausschließt, aber sich „bloß“ über andere aufzuregen bringt keinem was, Ungerechtigkeiten gelassen hinzunehmen aber für mich irgendwie auch nicht. Wie du merkst, ist das gerade ein großes Thema bei mir ☺️

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  3. Pingback: ACHTSAMKEIT – WOCHE 14 – Unglaublich leicht

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